Steven Vierig bezwingt 245 Kilogramm in der Tiefkniebeuge und ebenso die Konkurrenz

Bericht zur Deutschen Meisterschaft der Masters im Kraftdreikampf 2026 in Lauchhammer

Steven Vierig holt Silber in Lauchhammer

Lesedauer: circa 5 Minuten

Bad Lausick/Lauchhammer. Es ist wieder einmal diese ruhige Entschlossenheit gewesen, gepaart mit Erfahrung, Disziplin und unerschütterlichem Fokus, die „Altmeister“ Steven Vierig vom KSV Bad Lausick am Samstag, dem 21. März, bis auf das Podium der Deutschen Meisterschaften der Masters getragen hat. Am Ende steht der Vize-Titel. Verdient, hart erarbeitet und alles andere als selbstverständlich. Vierig ist keiner für große Worte. Kein Athlet der lauten Töne, keiner für Inszenierungen. Seine Sprache ist das Gewicht auf der Hantel und die Art, wie er es bewegt. Vielleicht passte der Austragungsort Lauchhammer in Brandenburg gerade deshalb so gut zu ihm. Auf den ersten Blick wirkt der kleine Ort unscheinbar, beinahe vergessen. Und doch liegt über der Stadt eine besondere Atmosphäre. Vor zehn, fünfzehn Jahren war Lauchhammer ein Zentrum des deutschen Kraftdreikampfs. Zwei Vereine – Powerlifting Lauchhammer und der AC Lauchhammer – prägten die Szene, lieferten sich erbitterte Konkurrenz und hielten den Sport lebendig. Heute ist vieles leiser geworden. Powerlifting Lauchhammer existiert nicht mehr, die große Bühne ist kleiner. Geblieben ist diese eigentümliche Mischung aus Geschichte und Stille. Und genau darin entfaltet sich an diesem Wettkampftag eine fast greifbare Intensität. Für den KSV Bad Lausick fühlten sich Stevens gewaltige 632,5 Kilogramm Total beinahe wie eine Heimkehr an.

Mit voller Power durch die Beuge

Vierig ist kein Athlet, der plötzlich auftauchte. Seine Leistungen sind über Jahre hinweg gewachsen, getragen von unzähligen Trainingseinheiten, stetiger Entwicklung, Rückschlägen und der Fähigkeit, immer wieder zurückzukommen. Wer ihn kennt, weiß: Hier steht kein Lautsprecher, sondern ein Arbeiter. Einer, der seine Stärke leise aufbaut und im richtigen Moment abruft. An diesem Wettkampftag folgen die Abläufe fast schon routiniert: umziehen, wiegen, ankommen. Keine Hektik, keine unnötige Anspannung. In einem nahezu leeren Umkleideraum nimmt er sich bewusst Zeit, isst ein paar belegte Brote, kommt zur Ruhe und sammelt sich. Als Starter in „Flight B“ bleibt noch etwas Zeit für ein ruhiges Gespräch mit Sportfreunden aus Langenbach. Dann richtet sich sein Fokus langsam nach innen. Gegen 14:15 Uhr beginnt das Aufwärmen. Die Gewichte steigen schrittweise, der Körper kommt auf Betriebstemperatur, jede Bewegung wirkt präzise und eingespielt. Kurz vor 15:00 Uhr werden die Athleten in den Wettkampfraum gerufen. Ab diesem Moment gibt es kein Zurück mehr. Als Vierig zur Kniebeuge auf die Plattform tritt, wirkt alles kontrolliert, fast stoisch. 225 Kilogramm – drei weiße Lichter, ein sauberer, gültiger Versuch. Die Steigerung auf 235 Kilogramm folgt ohne Bruch im Rhythmus, erneut souverän bewältigt. Spätestens beim dritten Versuch über 245 Kilogramm wird deutlich: Vierig ist voll im Wettkampf angekommen.

Absolute Präzision auf der Bank

Nach der souveränen Beugephase bekam der Wettkampf eine neue Dynamik. In der Tabelle setzte sich die Konkurrenz zunächst leicht ab – kein ungewohntes Bild, denn das Bankdrücken gehört traditionell nicht zu Vierigs stärksten Disziplinen. Doch genau in solchen Momenten zeigt sich seine größte Qualität: ein nüchterner Blick auf die eigene Leistungsfähigkeit, frei von Eitelkeit und falschem Ehrgeiz. Während der Einstieg mit 125 Kilogramm noch beinahe spielerisch gelang, forderten ihn die 130 Kilogramm aus dem zweiten Versuch schon deutlich mehr, jedoch blieb auch diese Last jederzeit unter Kontrolle. Jeder weitere Schritt musste nun sitzen. Während von außen die 135 Kilogramm als logische Konsequenz erschienen, entschied sich Vierig bewusst dagegen. Stattdessen ließ er 132,5 Kilogramm auflegen – eine Wahl, die weniger spektakulär wirkte, aber umso mehr von Erfahrung und Wettkampfintelligenz geprägt war. Und genau diese Entscheidung sollte sich später noch als sehr nützlich erweisen. Mit drei gültigen Bankversuchen und wertvollem, mentalen Rückenwind im Gepäck machte sich Vierig dann bereit für die entscheidende Phase des Wettkampfs.

Showdown um Platz 2 im Kreuzheben

Mit dem Kreuzheben spitzte sich der Wettkampf dramatisch zu. Die Abstände waren minimal, die Rechnungen eng – und vor allem rückte ein Name immer stärker in den Fokus: Alex Kontschev. Vierig eröffnete mit sicheren 235 Kilogramm, kontrolliert und ohne Wackler. Kontschev bekam seine ebenfalls lockeren 225 Kilogramm zunächst überraschend ungültig, konterte aber im zweiten Versuch mit sauberen 235 Kilogramm. Währenddessen legte Vierig mit 245 Kilogramm kompromisslos nach. Doch Kontschev blieb dran, verkürzte den Abstand auf nur noch 7,5 Kilogramm. Hier wurde es dann taktisch: Vierig meldete 255 Kilogramm. Kontschev wählte für den letzten Versuch zunächst 245, erhöhte dann jedoch in letzter Sekunde ebenfalls auf 255 – Angriff auf Platz zwei. Für Vierig gab es nun aber keine Möglichkeit mehr zur Änderung seiner Last. Dann der entscheidende Moment: explosiv vom Boden weg und mit einem wahren Urschrei sauber kontrolliert durchgezogen und oben sicher fixiert. Drei weiße Lichter. Doch die Entscheidung war noch nicht gefallen. Jetzt lag alles an Kontschev. Schafft er die 255 Kilogramm, zieht er vorbei. Die Last wirkt beinahe übermenschlich, doch er setzt an. Die Stange löst sich vom Boden, Zentimeter für Zentimeter arbeitet sie sich nach oben. Der Körper zittert, die Spannung am Limit. Für einen Moment scheint alles möglich – doch kurz vor dem Lockout reißt die Kontrolle ab. Die Hantel entgleitet, die Hände geben nach. Ungültig. Steven Vierig sichert sich mit 632,5 Kilogramm im Total vor Alex Kontschev vom ASV 1897 Neu-Ulm mit 615 Kilogramm und hinter Martin Massat vom AC Bavaria Forchheim mit glatten 700 Kilogramm den Vizetitel bei den Deutschen Meisterschaften in der Klasse bis 93 Kilogramm der Masters – hauchdünn, zäh errungen und ermöglicht durch Erfahrung, Präzision und Nerven aus Stahl.

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