Bronze-Coup für die Kurstädter

Bericht zum Finale Sachsenliga Kraftdreikampf 2026 in Dresden

Dritter Platz für Bad Lausick sorgt für unerwartete Wende

Lesedauer: circa 5 Minuten

Bad Lausick/Dresden. Ein letzter Versuch, ein letzter Atemzug und ein Moment, der die ganze Saison bündelt. Jason Campbell vom Stemmclub Leipzig zerrt mit aller Gewalt an der 312,5 Kilogramm schweren Hantel, doch sie bewegt sich keinen Zentimeter. Wie festgeschweißt bleibt das Eisen auf der Plattform liegen und ein Raunen geht durch die Halle – im selben Augenblick ist klar, dass der KSV Bad Lausick im allerletzten Moment zugeschlagen hat und Bronze ergatterte. Begleitet von lautstarkem Mitfiebern, konzentrierten Blicken und Händen voller Kreide – schließlich war am vergangenen Samstag, den 28. März mal wieder Sachsenligazeit – trafen in den ehrwürdigen Hallen des USV TU Dresden, organisiert von Vereinsleiter Jan Thurn, diesmal die stärksten Teams im Landesfinale aufeinander. Dresden, Bautzen, Leipzig, Langenbach – und mittendrin Bad Lausick. Die Rollen schienen klar verteilt. USV TU Dresden und der KBV Bautzen dominierten die Saison, Leipzig lauerte als abgeklärter Jäger. Doch Bad Lausick hatte sich leise in Stellung gebracht. Und lieferte auf der Plattform genau das ab: keine wilden Ausreißer, kein unnötiges Risiko, sondern eine nahezu fehlerfreie Mannschaftsleistung. Während Dresden mit 1.306,81 Punkten vorneweg marschierte und Bautzen mit 1.210,82 Zählern souverän nachlegte – zwischenzeitlich jedoch spürbar unter den Druck der Kurstädter geraten – entbrannte dahinter ein packender Kampf um die Podestplätze. Mit 1.170,98 Punkten stemmt sich Bad Lausick schließlich in die Medaillenränge und verdrängt Leipzig (1.158,39) tatsächlich noch im letzten Versuch. Dahinter folgen der SV Rotation Langenbach e.V. mit 1.100,36 Punkten sowie die zweite Mannschaft des USV TU Dresden (736,54).

Vierig, Keck und Gretschel auf Punktejagd

Im Zentrum stand eine Mannschaft, die nicht nur souverän agierte, sondern ihr Potenzial voll ausschöpfte. Allen voran setzte Steven Vierig das Fundament für diesen Erfolg. Für den frischgebackenen Vize-Deutschen Meister war es bereits der vierte Wettkampf in kurzer Abfolge – doch von Ermüdung keine Spur. Mit beinharten 225 Kilogramm eröffnete er in der Tiefkniebeuge, steigerte dann auf 235 und schließlich auf 240 Kilogramm, allesamt sicher und gültig. Auf der Bank blieb er mit 120, 125 und 130 Kilogramm makellos. Seine ganze Routine spielte Vierig jedoch im Kreuzheben aus: 235 Kilogramm zum Einstieg, 245 Kilogramm kontrolliert nachgelegt und mit 255 Kilogramm ein starker dritter Versuch, der saß. 625 Kilogramm im Total und 399,66 Punkte bedeuteten nicht nur die interne Höchstpunktzahl, sondern machten ihn einmal mehr zum ruhenden Pol im Teamgefüge. Zeitgleich absolvierte Fabian Keck einen Wettkampf voller Dynamik, Mut und Gespür für den entscheidenden Moment. In der Kniebeuge begann er mit federleichten 192,5 Kilogramm, ließ 202,5 Kilogramm explosiv folgen und setzte mit 210 Kilogramm sogar noch eins drauf. Auf der Bank – seinem Kerngeschäft – zeigte er dann eindrucksvoll, warum er zu den stärksten Athleten seines Gewichts gehört: Mit nur 84 Kilogramm Körpergewicht schob er 147,5 und 155 Kilogramm scheinbar mühelos nach oben. 160 Kilogramm wirkten ebenfalls machbar, blieben jedoch denkbar knapp liegen. Im Kreuzheben wurde es schließlich kämpferisch: 210 Kilogramm als sichere Basis, 225 Kilogramm nachgelegt und mit 230 Kilogramm ein spektakulärer Abschluss, bei dem er kurzfristig die Technik wechselte und damit das Publikum und seine Teamkollegen gleichermaßen überraschte. Seine 595 Kilogramm im Total und 398,95 Punkte spiegeln dabei nur bedingt wider, mit welcher Intensität und Leidenschaft er dieses Turnier bestritt. Und dann war da noch Ole Gretschel, dessen Auftritt sinnbildlich für die mannschaftliche Geschlossenheit stand. Ohne viel Aufhebens, aber mit beeindruckender Konsequenz ackerte er sich Versuch für Versuch durch seinen Wettkampf. In der Kniebeuge eröffnete er mutig mit 220 Kilogramm, steigerte auf 230 Kilogramm und scheiterte an den angepeilten 235 Kilogramm nur hauchdünn. Auf der Bank blieb er mit 117,5 und 122,5 Kilogramm voll in seiner Linie – sauber und ohne unnötiges Risiko. Doch im Kreuzheben wurde aus Kontrolle Angriff. 240 Kilogramm sicher, 252,5 Kilogramm entschlossen. Und dann der Griff nach mehr: 260 Kilogramm, neue Bestmarke, volles Risiko. Die Hantel steigt, kommt bis kurz vor den Lockout und bleibt leider stehen. Abbruch. Und trotzdem zeigt sich in genau so einem Moment, wohin die Reise geht. Denn was hier auf der Plattform stand, war kein Talent mehr im Aufbau, sondern ein Athlet, der längst an die Tür zur nächsten Leistungsstufe klopft. Mit 605 Kilogramm im Total und 372,37 Punkten holte er die entscheidenden Zähler und behauptete einmal mehr seinen festen Platz im Kader der Kurstädter.

Bronze als Auftakt, der Sommer wird heiß

Auch abseits der Plattform setzte Bad Lausick auf geballte Power: Hans-Ulrich Sickert sorgte als Plattformwart für einen reibungslosen Ablauf, während Jan Arnold und Thomas Ludwig das Team direkt betreuten. Nach dem überraschenden Bronze-Coup im Kraftdreikampf richtet sich der Blick nun schon auf den Sommer, wenn in der Sachsenliga das Bankdrücken auf dem Programm steht – die Kurstädter haben sich fest vorgenommen, die Ergebnisse aus Dresden noch einmal zu toppen. Einen Vorgeschmack liefert das vereinsinterne Klaus-Weber-Gedenkturnier Anfang Juli, bei dem das Team seine Aufstellung für den Sommer testet und einmal mehr beweisen wird, dass Bad Lausick fest in Sachsens Spitzengruppe etabliert ist.

Ergebnisse nach der Finalrunde (28.03.2026):

  1. USV TU Dresden – Team 1 (1.306,81 Punkte)
  2. KBV Bautzen e.V. – Team 1 (1.210,82 Punkte)
  3. KSV Bad Lausick e.V. (1.170,98 Punkte)
  4. Stemmclub Leipzig e.V. (1.158,39 Punkte)
  5. SV Rotation Langenbach e.V. – Team 1 (1.100,36 Punkte)

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